Ein trockenes Haus fängt oben an. Wenn das Dach nicht richtig entwässert wird, läuft Wasser an den Wänden herunter, sammelt sich am Fundament und frisst sich langsam in die Substanz. Regenrinnen und Fallrohre sind nicht nur praktisch - sie sind unverzichtbar. Jeder, der sein Haus sanieren oder neu dämmen will, muss diese Systeme verstehen. Denn eine schlechte Dachentwässerung kostet Geld, zerstört Fassaden und kann sogar die Statik gefährden.
Wie funktioniert eine Regenrinnen-Anlage?
Die Regenrinne (auch Dachrinne genannt) fängt das Wasser an der Dachkante auf. Sie verläuft entlang des Traufholzes, also der Holzleiste, an der die Dachziegel enden. Von dort fließt das Wasser in die Fallrohre, die senkrecht nach unten führen und das Wasser entweder in die Kanalisation, einen Sickerschacht oder eine Regentonne leiten. Die ganze Anlage muss so ausgelegt sein, dass kein Tropfen zurückbleibt - sonst wird es nass, wo es nicht sein soll.
Ein guter Ansatz: Jeder Meter Dachfläche sammelt bei einem Starkregen bis zu 10 Liter Wasser. Bei einem 100 Quadratmeter großen Dach sind das also 1.000 Liter pro Stunde. Das ist keine Kleinigkeit. Wenn die Rinnen zu klein oder die Fallrohre zu wenig sind, überläuft das System. Dann läuft das Wasser über die Kante, verfärbt die Fassade, füllt den Kellereingang und macht den Rasen zur Matschfläche.
Welche Materialien gibt es - und was passt zu Ihrem Haus?
Regenrinnen und Fallrohre werden aus verschiedenen Materialien hergestellt. Die drei Haupttypen sind Kunststoff (PVC), Kupfer und Zink. Jedes hat seine Vor- und Nachteile.
- Kunststoff (PVC): Günstig, leicht und einfach zu verarbeiten. Hält 20-30 Jahre. Braucht Halterungen im Abstand von max. 50 cm. Keine Dichtungen nötig - die Teile werden mit Kleber verbunden. Ideal für Einfamilienhäuser mit schlichter Architektur.
- Kupfer: Langlebig, edel, vergrünt mit der Zeit. Hält 50-100 Jahre. Muss mit Abständen von max. 70 cm gehalten werden. Wird gelötet, nicht geklebt. Passt zu historischen Gebäuden oder Villen mit hohem Anspruch an Optik.
- Zink (z. B. VMZINC): Robust, korrosionsbeständig, nach EN 612 geprüft. Halterungen im Abstand von etwa 84 cm. Verbindungen über Einhangstutzen oder Lötung. Sehr beliebt in Neubauten und Sanierungen in Sachsen und Bayern.
Wichtig: Mischen Sie nicht Materialien. Ein Kupferfallrohr mit einer PVC-Rinne funktioniert technisch - aber es ist eine Einladung an undichte Stellen. Nutzen Sie immer Komplettsätze eines Herstellers. Die Teile sind aufeinander abgestimmt, passen genau und haben die gleiche Ausdehnung bei Temperaturschwankungen.
Die richtige Neigung - das Geheimnis des fließenden Wassers
Wasser läuft nicht von alleine. Es braucht einen leichten Abfall. Die Faustregel: 2 bis 3 Zentimeter Gefälle pro 10 Meter Rinne. Das klingt wenig - aber es reicht. Zu wenig Neigung? Dann stagniert das Wasser. Zu viel? Dann fließt es zu schnell und spritzt an den Bögen.
Beim Einbau spannen Sie eine Schnur zwischen den äußeren Halterungen. Mit einer Wasserwaage prüfen Sie, ob die Rinne gleichmäßig abfällt. Sie beginnen immer mit den äußeren Halterungen, die 10 cm vom Ende entfernt sind. Danach kommen die Zwischenhalter. Ein guter Handwerker arbeitet mit einem Messband und einer Wasserwaage - nicht mit Gefühl.
Die Halterungen selbst müssen fest sitzen. Bei Kunststoff: drei pro Meter. Bei Metall: zwei bis drei, je nach Gewicht. Keine Halterung darf locker sein. Sonst wackelt die Rinne im Wind - und das führt zu Rissen, Lecks und schließlich zum Austritt.
Wie viele Fallrohre brauchen Sie?
Die Anzahl der Fallrohre richtet sich nach der Länge der Dachrinne und der Dachfläche. Hier die Faustregel:
- Bis 10 Meter Rinne: Ein Fallrohr am Ende oder in der Mitte.
- 10 bis 15 Meter: Entweder ein Fallrohr in der Mitte oder zwei an den Enden.
- Über 15 Meter: Zwei Fallrohre - besser zwei an den Enden, damit das Wasser gleichmäßig abfließt.
Wenn Sie ein großes, flaches Dach haben - wie bei einem Anbau oder einem Carport - dann reicht das nicht. Hier müssen Sie rechnen: 1 Quadratmeter Dachfläche = 1 Liter Wasser pro Millimeter Niederschlag. Ein Starkregen mit 20 mm bringt 20 Liter pro Quadratmeter. Ein 50 m² Anbau = 1.000 Liter. Das muss weg. Und zwar schnell.
Ein Fallrohr mit 80 mm Durchmesser kann etwa 200 Liter pro Minute abführen. Wenn Ihre Dachfläche zu groß ist, brauchen Sie mehr als ein Rohr - oder dickere Rohre. Die meisten Hausbesitzer unterschätzen das. Ein Fallrohr zu wenig - und schon steht das Wasser am Kellerfenster.
Wie werden Fallrohre richtig montiert?
Das Fallrohr beginnt am Rinnenstutzen - dem Übergang vom Dach zur senkrechten Leitung. Hier kommt ein Bogen (Fallrohrbogen) zum Einsatz, der das Rohr vom Haus abhebt. Normalerweise ist der Abstand 10-15 cm zur Fassade. Das verhindert, dass das Wasser an der Wand entlang läuft.
Die Montage läuft so ab:
- Markieren Sie den Mittelpunkt des Rinnenstutzens mit der Wasserwaage.
- Bringen Sie den ersten Bogen an - mit der Krümmung zur Wand hin.
- Verbinden Sie die Rohre - meist durch Einstecken. Kein Kleber nötig. Die Teile sind mit weichen Übergängen versehen, damit sie sich dehnen können.
- Markieren Sie die Befestigungspunkte an der Wand. Bohren Sie nur flach - nicht durch die Wand.
- Setzen Sie die Rohrschellen ein: Eine feste Schelle oben, eine unten, und eine lose in der Mitte bei Rohren über 2 Meter.
- Abstand zwischen den Schellen: 2 bis 2,5 Meter.
Feste Schellen verhindern seitliches Schwingen. Lose Schellen erlauben Längenausdehnung. Beides ist wichtig. Ein Rohr, das nicht bewegen kann, reißt bei Frost oder Hitze.
Wohin mit dem Wasser?
Das Ende des Fallrohrs entscheidet über die Wirkung. Ein Rohr, das einfach an die Wand kippt, ist schlecht. Ein Rohr, das das Wasser 1 Meter vom Haus entfernt ablässt, ist gut.
Drei Möglichkeiten:
- Kanalisation: Das Fallrohr mündet in einen KG-Abwasserkanal. Das ist der Standard. Aber: In vielen Städten gibt es Regenwasserabgabepflichten. Sie müssen das Wasser nicht in die Kanalisation leiten, wenn Sie eine Alternative haben.
- Sickerschacht: Ein Erdloch mit Kies und Drainage, das das Wasser in den Boden leitet. Das ist umweltfreundlich, entlastet die Kanalisation und lädt das Grundwasser auf. Ideal für Grundstücke mit gutem Boden.
- Regentonne: Ein 1.000-Liter-Fass unter dem Fallrohr. Dafür brauchen Sie ein Absperrventil und einen Überlauf. Das Wasser nutzen Sie für Garten, Waschmaschine oder Toilettenspülung. Das spart Trinkwasser - und ist in vielen Kommunen sogar gefördert.
Die meisten Häuser in Dresden haben heute eine Kombination: Ein Teil des Wassers geht in die Tonne, der Rest in den Sickerschacht. So ist die Belastung für die Kanalisation gering, und Sie haben ein eigenes Reservoir.
Was Sie beim Kauf und Einbau unbedingt beachten sollten
Einige Fehler tauchen immer wieder auf - und sind teuer.
- Nicht die falsche Neigung: 1 cm auf 10 m reicht nicht. 2-3 cm sind Pflicht.
- Zu wenig Halterungen: Eine Rinne mit nur zwei Halterungen ist eine Einladung zum Absturz.
- Keine Abstände zur Wand: Wenn das Rohr zu nah an der Fassade ist, wird die Wand nass. Das führt zu Schimmel.
- Materialmix: Kupfer-Rinne mit PVC-Rohr? Funktioniert - aber nur kurz. Die Ausdehnung ist anders. Es reißt.
- Kein Überlauf: Wenn die Tonne voll ist, muss das Wasser abfließen können. Sonst läuft es über und verwüstet den Garten.
Am besten: Holen Sie sich ein Komplettset von einem Hersteller. Marley, Eternit, Wavin oder VitrA bieten Sets an, die alles enthalten: Rinnen, Halterungen, Bögen, Rohre, Schellen, Endkappen. Alles passt. Sie sparen Zeit, Geld und Stress.
Wann ist die Dachentwässerung defekt?
Ein paar Anzeichen, die Sie nicht ignorieren sollten:
- Wasser läuft an der Fassade herunter - obwohl es nicht regnet.
- Die Rinnen sind verformt oder hängen durch.
- Blätter und Moos sammeln sich in der Rinne - das ist ein Zeichen für zu geringes Gefälle.
- Die Fallrohre vibrieren oder knallen bei Regen.
- Am Fundament oder in der Kellerwand ist Feuchtigkeit.
Wenn Sie eines dieser Anzeichen sehen: Prüfen Sie die Anlage. Reinigen Sie die Rinnen. Messen Sie das Gefälle. Kontrollieren Sie die Halterungen. Ein kleiner Schaden heute wird morgen zu einer teuren Sanierung.
Was kostet eine neue Dachentwässerung?
Die Kosten hängen vom Material und der Länge ab. Ein Beispiel für ein Einfamilienhaus mit 20 Meter Rinne:
- Kunststoff-Set: 800-1.200 € (inkl. Montage)
- Zink-Set: 1.800-2.500 €
- Kupfer-Set: 2.500-3.500 €
Das ist eine Investition - aber sie schützt Ihr Haus. Eine feuchte Wand zu sanieren kostet oft 5.000 €. Eine kaputte Fundamentabdichtung sogar 15.000 €. Die Dachentwässerung ist die billigste Versicherung, die Sie haben.
Schreibe einen Kommentar