Wenn du eine neue Wasserleitung verlegst oder bestehende Leitungen modernisierst, bist du wahrscheinlich auf Mehrschichtverbundrohre gestoßen. Sie sind heute in Deutschland die am häufigsten verwendete Lösung für Trinkwasser- und Heizungsanlagen - und das aus gutem Grund. Im Vergleich zu Kupfer oder PP-Rohren sparen sie Zeit, Geld und Kraft. Doch viele Installateure und Heimwerker scheitern nicht an der Technik selbst, sondern an kleinen Details: falscher Biegeradius, schlechte Schnitte oder unzureichend kalibrierte Enden. Das führt zu Undichtigkeiten, teuren Nacharbeiten und oft sogar zu Schäden im Mauerwerk. Hier erfährst du, wie du Mehrschichtverbundrohre professionell verlegst - ohne Fehler, die du später bereust.
Was ist ein Mehrschichtverbundrohr?
Ein Mehrschichtverbundrohr ist kein einfaches Kunststoffrohr. Es besteht aus fünf Schichten: innen und außen aus hitze- und druckbeständigem Polyethylen, dazwischen eine dünne, nahtlose Aluminiumschicht. Diese Aluminiumschicht sorgt dafür, dass das Rohr seine Form behält - egal ob du es in die Wand einbetonierst oder an der Decke entlangführst. Im Gegensatz zu herkömmlichen Verbundrohren mit geschweißter Aluminiumschicht, wie sie vor 2020 üblich waren, nutzen moderne Systeme wie das Uponor Uni Pipe PLUS eine nahtlos extrudierte Aluminiumschicht (SACP-Technologie), die keine Schwachstellen mehr hat. Das bedeutet: weniger Leckagen, längere Lebensdauer und bessere Druckfestigkeit.
Diese Rohre sind in Durchmessern von 12 mm bis 63 mm erhältlich. Die meistverwendete Größe in der Praxis ist das 20er Alu-Rohr (20 mm Außendurchmesser). Es passt perfekt für Wohnungs- und Einfamilienhausinstallationen, wo du meistens 1 bis 2 Liter pro Minute transportieren musst. Die Rohre sind wasserneutral, korrosionsfrei und eignen sich für warmes und kaltes Trinkwasser - und auch für Heizungsanlagen mit Temperaturen bis 95 °C.
Warum Biegen statt Fittings?
Der größte Vorteil von Mehrschichtverbundrohren liegt in ihrer Biegsamkeit. Du brauchst keine 90°- oder 45°-Bögen, keine T-Stücke, keine Übergangsfittings. Du biegst das Rohr einfach in die gewünschte Richtung. Das reduziert den Fittingbedarf um bis zu 60 %. Ein Installateurmeister aus München berichtete, dass seine Montagekosten seit der Umstellung auf Biegetechnik durchschnittlich 22 % sanken. Warum? Weil jeder Fitting Zeit kostet: anbringen, pressen, prüfen. Ein gebogenes Rohr? Ein Schnitt, ein Biegewerkzeug, und fertig.
Im Vergleich zu Kupferrohren, bei denen jede Richtungsänderung mindestens ein Fitting erfordert, ist das ein enormer Vorteil. Selbst bei komplexen Verläufen - etwa um Heizkörper herum oder durch enge Deckenbalken - kannst du mit nur wenigen Schnitten und Biegungen eine saubere, geradlinige Verlegung erreichen. Das spart nicht nur Material, sondern auch Platz. In der Wand bleibt mehr Spielraum für andere Leitungen. Und: weniger Fittings bedeuten weniger Verbindungsstellen, wo Leckagen entstehen können.
Was ist der richtige Biegeradius?
Der Biegeradius ist der entscheidende Parameter. Wenn du zu eng biegst, knickt das Rohr ein. Wenn du zu weit biegst, brauchst du unnötig viel Platz und verlierst den Vorteil der kompakten Verlegung. Die Faustregel lautet: Mindestens 8-facher Rohrdurchmesser. Bei einem 20 mm Rohr bedeutet das einen Biegeradius von 160 mm. Aber hier kommt der entscheidende Unterschied: moderne Systeme wie Uponor Uni Pipe PLUS erlauben einen Biegeradius von nur 6-fachem Rohrdurchmesser. Das sind bei 20 mm nur 120 mm - also 25 % weniger Platzbedarf. Das ist besonders wichtig in engen Nischen, bei Unterputzverlegung oder wenn du in bestehenden Gebäuden nachträglich installierst.
Wichtig: Der Biegeradius gilt nur, wenn du das Rohr richtig vorbereitet hast. Du brauchst einen Kalibrierdorn. Ohne ihn wird das Rohr an der Schnittstelle eindrücken, die Dichtfläche der Fittingverbindung wird beschädigt, und es leckt. Der Kalibrierdorn runderne die Innenseite, entgratet die Kante und sorgt dafür, dass das Fitting perfekt sitzt. Pipetec empfiehlt: "Kalibrieren und Entgraten ist nicht optional - es ist die Grundlage für eine dichte Verbindung".
Schnitt und Vorbereitung: Der entscheidende Moment
Der Schnitt ist der kritischste Arbeitsschritt. Ein schräger, ungleichmäßiger Schnitt ist die häufigste Ursache für Undichtigkeiten. Warum? Weil das Fitting nicht mehr richtig aufsitzt. Die Dichtung sitzt nicht mehr gleichmäßig, und unter Druck gibt es ein Leck. Die Vorgabe ist klar: Der Schnitt muss im exakten 90°-Winkel zum Rohr liegen.
Ein normaler Rohrschneider reicht nicht aus. Du brauchst einen speziellen Mehrschichtverbundrohr-Schneider. Der ROTHENBERGER ORBIT 2 ist in der Praxis der Standard. Er schneidet sauber, ohne das Rohr zu quetschen, und hält die Form der Außenwand intakt. Ein Installateur mit 15 Jahren Erfahrung sagt: "Wenn du einen billigen Schneidring benutzt, bekommst du eine ungleichmäßige Kante. Dann kannst du noch so gut biegen - es leckt trotzdem."
Nach dem Schneiden: sofort kalibrieren. Setze den Kalibrierdorn ein, drehe ihn ein paar Mal, und ziehe ihn heraus. Du spürst, wie er glatt durchrutscht. Wenn er klemmt, ist die Kante noch zu rau - dann nochmal schneiden und wiederholen. Keine Abkürzungen. Keine "Das wird schon gehen"-Haltung. Denn laut Prof. Klaus Richter von der TU München führt unzureichendes Kalibrieren zu 78 % aller Leckagen bei Mehrschichtverbundrohren.
Fittings: Was du wissen musst
Du denkst, du brauchst viele Fittings? Falsch. Mit Biegen sparst du sie. Aber du brauchst sie trotzdem - etwa für Anschlüsse an Armaturen, Thermostate oder Heizkörper. Hier ist es wichtig: Es handelt sich um nicht lösbare Pressverbindungen. Das bedeutet: einmal verpresst, nicht mehr zu öffnen. Wenn du dich vertan hast, musst du das Rohr durchschneiden und neu verlegen. Deshalb: immer vorher prüfen, wo du anschließt.
Die Fittings sind nicht standardisiert. Jeder Hersteller hat sein eigenes System. Uponor, Wirsbo, Geberit - alle verwenden unterschiedliche Presshülsen und Werkzeuge. Du kannst nicht einfach ein Fitting von einem Hersteller mit einem Werkzeug eines anderen verpressen. Das führt zu undichten Verbindungen. Wähle ein System und bleib dabei. Wenn du mit Uponor arbeitest, verwende auch nur Uponor-Fittings und das dazugehörige Presswerkzeug.
Ein weiterer Tipp: verwende immer die richtige Größe. Ein 20 mm Rohr braucht ein 20 mm Fitting. Keine Annahmen. Kein "Passt doch schon". Die Dichtung sitzt nur bei exakter Passgenauigkeit. Sonst läuft Wasser.
Tipps für gedämmte Rohre
Wenn du das Rohr mit Dämmung verlegst - etwa in kalten Räumen oder bei Fußbodenheizungen - kommt eine neue Herausforderung: Die Dämmung behindert das Biegen. Beim Biegen drückt das Werkzeug die Dämmung ein. Das Rohr kann sich nicht frei bewegen. Die Folge: ungleichmäßige Biegung, mögliche Verformung der Aluminiumschicht.
Lösung: Bevor du biegst, schneidest du die Dämmung an der Biegestelle heraus. Ein scharfes Messer, etwa 2 cm lang, reicht aus. Biege das Rohr dann ohne Dämmung. Nach dem Biegen bringst du die Dämmung wieder an - mit Klebeband oder speziellem Dämmkleber. Das ist ein zusätzlicher Arbeitsschritt. Aber er verhindert, dass das Rohr nach einigen Jahren bricht, weil die Aluminiumschicht durch Druck beschädigt wurde.
Ein Installateur aus Berlin beschreibt es so: "Ich schneide die Dämmung vorher aus. Danach biege ich wie bei einem ungedämmten Rohr. Nachher klebe ich die Dämmung wieder dran - mit Klebeband, das für Heizungsanlagen zugelassen ist. Das ist nicht schön, aber es funktioniert. Und es ist sicherer als eine beschädigte Dämmung."
Biegetechnik: So geht’s
Das Biegen ist einfach - wenn du die Technik kennst. Du brauchst ein Biegegerät. Es gibt drei Arten: von Hand, mit einer Biegefeder oder mit einem Einhand-Bieger. Für Heimwerker reicht meist die Biegefeder. Sie ist günstig, leicht und passt in jede Werkzeugtasche.
So biegst du richtig:
- Markiere die Stelle, an der du biegen willst - mit einem Zollstock oder einer Wasserwaage.
- Setze die Markierung genau an die Biegebacke des Geräts. Kein Spiel, kein Versatz.
- Drücke langsam und gleichmäßig. Nicht ruckeln. Nicht zu schnell.
- Überbiege immer um 5 bis 10 Grad. Das Rohr hat eine leichte Rückfederung. Wenn du genau auf 90° biegst, wirst du später sehen: es ist nur 82°. Überbiegen ist der Trick. Ein erfahrener Installateur sagt: "Ich biege immer ein bisschen weiter. Weil das Rohr sich nachher ein bisschen wieder gerade stellt. Das ist physikalisch. Und es ist normal."
- Prüfe den Winkel mit einem Winkelmesser. Nicht schätzen.
Wichtig: Nie auf dem Boden biegen. Nie auf einer unebenen Fläche. Nutze eine stabile Werkbank. Sonst verformst du das Rohr oder du verlierst die Kontrolle.
Warum ist das die Zukunft?
Mehrschichtverbundrohre machen heute 43 % aller neu verlegten Trinkwasseranlagen in Deutschland aus - das sind fast zwei von fünf Installationen. Der Markt wächst jährlich um 6,3 %. Warum? Weil sie einfach, schnell und zuverlässig sind. Sie sind leichter als Kupfer, flexibler als PP-Rohre und korrosionsfrei wie Edelstahl. Und sie reduzieren die Anzahl von Verbindungen auf ein Minimum. Weniger Fittings = weniger Leckagen.
Professionelle Installateure arbeiten laut dem Deutschen Handwerkskammertag bis zu 87 % schneller mit Mehrschichtverbundrohren als mit Kupfer. Die Zeitersparnis ist real. Die Kostenersparnis auch. Und die Qualität? Höher. Denn mit weniger Verbindungen gibt es weniger Fehlerquellen.
Die Technik hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Die neuen Systeme mit nahtloser Aluminiumschicht, wie das Uponor Uni Pipe PLUS , haben die Lebensdauer erhöht und die Verarbeitung vereinfacht. Der Trend geht klar in Richtung geringerer Biegeradien und einfacherer Handhabung. Bald wird es Biegegeräte geben, die automatisch den richtigen Radius einstellen.
Was du nicht tun solltest
- Nicht mit stumpfen Werkzeugen schneiden.
- Nicht kalibrieren vergessen - das ist die häufigste Ursache für Leckagen.
- Nicht mit einem 90°-Fitting biegen, wenn du das Rohr biegen kannst.
- Nicht mit Fittings von anderen Herstellern mischen.
- Nicht die Dämmung ignorieren - sie beeinflusst das Biegeverhalten.
- Nicht ohne Planung beginnen. Vorher überlegen: Wo sind die Anschlüsse? Wo sind Hindernisse? Wo kann ich biegen?
Ein Heimwerker aus dem Internet schrieb: "Ich dachte, das ist wie ein normales Kunststoffrohr. Habe mit einem normalen Rohrschneider geschnitten. Hat geleckt. Jetzt muss ich die Wand aufbrechen. Lerne daraus: wenn du es nicht genau machst, wird es teuer."
Frequently Asked Questions
Wie groß ist der minimale Biegeradius bei einem 20 mm Mehrschichtverbundrohr?
Bei herkömmlichen Systemen beträgt der minimale Biegeradius 8-fach den Rohrdurchmesser - also 160 mm. Moderne Systeme wie das Uponor Uni Pipe PLUS erlauben einen Radius von nur 6-fachem Durchmesser, also 120 mm. Das ist 25 % weniger Platzbedarf und besonders vorteilhaft in engen Räumen.
Darf ich ein Mehrschichtverbundrohr mit Kupferrohren verbinden?
Ja, das ist möglich - aber nur mit speziellen Übergangsfittings. Diese Fittings haben eine Innengewinde- oder Pressverbindung auf einer Seite und ein Kupfer-Anschluss auf der anderen. Du darfst das Rohr nicht einfach mit einem Kupfer-Fitting verbinden. Die Materialien und Dehnungskoeffizienten unterscheiden sich zu stark. Verwende immer vom Hersteller zugelassene Übergangselemente.
Wie lange hält ein Mehrschichtverbundrohr?
Mit korrekter Verarbeitung und regelmäßiger Wartung hält ein Mehrschichtverbundrohr mindestens 50 Jahre. Die Aluminiumschicht ist korrosionsfrei, das Polyethylen ist beständig gegen chemische Einflüsse und Temperaturschwankungen. Viele Hersteller geben eine Garantie von 30 Jahren auf das Material - vorausgesetzt, die Installation erfolgte fachgerecht.
Kann ich Mehrschichtverbundrohre auch im Außenbereich verlegen?
Nur mit ausreichender Dämmung. Das Rohr selbst ist frostbeständig, aber das Polyethylen kann bei extremen Temperaturschwankungen spröde werden. Im Außenbereich - etwa für Gartenwasserleitungen - muss das Rohr in einer isolierten Leitungsschutzröhre verlegt werden. Sonst besteht die Gefahr von Rissen bei Minustemperaturen.
Was kostet die Verlegung mit Mehrschichtverbundrohren im Vergleich zu Kupfer?
Die Materialkosten liegen bei Mehrschichtverbundrohren etwa 15-20 % höher als bei Kupfer. Aber die Installationskosten sinken um 30-50 %, weil du weniger Fittings brauchst, schneller arbeitest und weniger Werkzeuge benötigst. Insgesamt ist die Gesamtkostenersparnis bei einer Standardinstallation oft bei 20-25 %.
Was kommt als Nächstes?
Wenn du jetzt mit Mehrschichtverbundrohren arbeitest, wirst du sie lieben. Aber es gibt noch mehr zu lernen. Als nächstes solltest du dich mit Presswerkzeugen vertraut machen - denn nicht jedes Werkzeug passt zu jedem Fitting. Oder mit Wärmedämmungssystemen für Rohre, die in kalten Bereichen verlegt werden. Und nicht vergessen: Wasserqualität ist entscheidend. Die Rohre selbst sind neutral, aber das Wasser kann Ablagerungen verursachen. Regelmäßige Spülungen und Filter sind Teil der langfristigen Wartung.
Die Zukunft der Wasserinstallation liegt in Systemen, die einfach, sicher und nachhaltig sind. Mehrschichtverbundrohre sind heute der Standard - und sie werden es bleiben. Denn wer einmal mit ihnen gearbeitet hat, will nicht mehr zurück.
Schreibe einen Kommentar