Stellen Sie sich vor: Sie ziehen einen Stecker aus der Steckdose - und sie wird heiß. Nicht nur warm. Heiß. Mit einem leichten Knistern und dem Geruch von verbranntem Kunststoff. Das ist kein Film. Das passiert in Österreich und Deutschland täglich. In Häusern, die noch die Elektroinstallation aus den 1970ern haben. Und es ist kein Einzelfall. Es ist die Regel.
Warum Ihre alte Elektroinstallation heute gefährlich ist
Viele Häuser in Graz, Wien oder Linz wurden in den 60er bis 80er Jahren gebaut. Damals war Strom ein Luxus. Ein Kühlschrank, ein Fernseher, vielleicht ein Staubsauger - mehr nicht. Die Leitungen waren dafür ausgelegt: zwei Drähte, kein Schutzleiter, keine Absicherung gegen Fehlerströme. Heute haben Sie einen Laptop, einen Wasserkocher, eine Waschmaschine, eine Klimaanlage, einen Fernseher, eine Ladestation fürs E-Auto - und alles läuft gleichzeitig. Das alte Kabel kann das nicht mehr. Es überlastet. Es wird heiß. Und dann brennt es. Die DIN 18015, die heute gültige Norm für Wohngebäude, schreibt vor: Jeder Raum braucht mindestens eine Steckdose pro 4 Quadratmeter. In einem 15 Quadratmeter Schlafzimmer also mindestens vier. In vielen Altbauten gibt es aber nur eine - und die ist oft mit einem Mehrfachstecker vollgestopft. Das ist kein Problem der Vergangenheit. Das ist ein aktives Risiko. Und dann ist da der FI-Schalter. Der Fehlerstrom-Schutzschalter. Ein kleines Gerät, das Leben retten kann. In einem modernen Haus gibt es mindestens sechs davon - einer für die Küche, einer für das Bad, einer für die Steckdosen, einer für die Heizung, einer für die Lichter, einer für die Waschküche. In einem Haus aus den 80ern? Vielleicht einer. Vielleicht gar keiner. Laut der Zentralstelle für Sicherheitstechnik im Elektrohandwerk (ZSE) verfügen mehr als die Hälfte aller Bestandsgebäude in Österreich und Deutschland über keinen oder nur einen unzureichenden FI-Schutz. Das bedeutet: Wenn jemand einen Stromschlag bekommt - etwa weil er nasse Hände hat und eine defekte Waschmaschine berührt - fließt der Strom einfach weiter. Bis der Körper es nicht mehr aushält.Was genau ist veraltet? Die 5 größten Risiken in Altbauten
- Kein Schutzleiter (PE-Leiter): Viele Leitungen haben nur zwei Adern: Phase und Null. Kein grün-gelber Schutzleiter. Das bedeutet: Kein sicherer Abfluss von Fehlerstrom. Kein Schutz vor elektrischem Schlag.
- Schraubsicherungen oder Sicherungsdosen: Diese alten Sicherungen reagieren zu langsam. Bei Überlastung schmelzen sie - aber nicht immer. Sie können auch nur heiß werden und den Kabelbaum langsam verbrennen, ohne dass jemand es merkt.
- Aluminiumkabel: Besonders in Häusern aus den 50er bis 70er Jahren wurden oft Aluminiumleitungen verlegt. Die werden mit der Zeit brüchig. Sie oxidieren. Sie lösen sich an den Anschlüssen. Das führt zu Lichtbögen - und das ist der direkte Weg zu einem Brand.
- Zusammengelegte Stromkreise: In modernen Anlagen ist jeder Raum oder jede Gruppe von Geräten auf einem eigenen Kreis. In Altbauten: Alle Steckdosen, alle Lichter, alle Geräte - auf einem einzigen Stromkreis. Ein einziger Fehler - und das ganze Haus bleibt dunkel. Oder brennt.
- Zu wenige Steckdosen: Eine Steckdose pro Zimmer? Das ist kein Designstil. Das ist ein Sicherheitsrisiko. Wer heute einen Mehrfachstecker nutzt, um fünf Geräte anzuschließen, überschreitet die Belastungsgrenze. Und das passiert täglich.
Was sagt das Gesetz? Bestandsschutz ist kein Freibrief
Viele Hausbesitzer denken: „Meine Installation war damals legal. Also ist sie auch heute legal.“ Das ist ein gefährlicher Irrtum. Der sogenannte Bestandsschutz bedeutet nur, dass Sie nicht verpflichtet sind, die Anlage zu erneuern - solange sie unverändert bleibt. Aber er sagt nichts darüber, ob sie heute sicher ist. Markus Hofmann von sat Elektro GmbH sagt es klar: „Bestandsschutz bedeutet nicht, dass eine Anlage den heutigen Sicherheitsstandards entspricht.“ Und das ist der entscheidende Punkt. Wenn Sie Ihr Haus verkaufen, muss der Käufer eine ordnungsgemäße Elektroinstallation vorfinden. Wenn Sie eine Versicherung abschließen oder eine Schadensmeldung einreichen - und es stellt sich heraus, dass Ihre Installation veraltet ist - kann die Versicherung den Schaden ablehnen. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) bestätigt: Laienarbeiten oder veraltete Anlagen können den Versicherungsschutz komplett aufheben.
Wie viel kostet eine moderne Elektroinstallation?
Die Angst vor den Kosten hält viele davon ab, etwas zu tun. Aber die Zahlen sind klar: Eine vollständige Erneuerung in einem 100 bis 120 Quadratmeter großen Einfamilienhaus kostet im Durchschnitt zwischen 7.000 und 8.500 Euro. Das klingt viel. Aber vergleichen Sie es mit dem Preis eines Brandes. Oder mit dem Preis eines tödlichen Stromschlags. Die Kosten variieren je nach Zustand. Ein Haus mit Aluminiumkabeln und völlig veralteter Technik kostet mehr als eines, das nur den FI-Schalter braucht. Ein E-CHECK - die standardisierte Prüfung durch einen Elektrofachmann - kostet zwischen 150 und 300 Euro. Das ist der erste Schritt. Ein Gutachten, das zeigt, was wirklich nötig ist. Nicht mehr. Nicht weniger. Und es gibt Unterstützung: Die KfW fördert Elektroinstallationserneuerungen - aber nur, wenn sie mit einer energetischen Sanierung kombiniert wird. Wenn Sie zum Beispiel Ihre Fenster tauschen und gleichzeitig die Elektrik erneuern, können Sie bis zu 5.000 Euro Zuschuss bekommen. Die Bundesnetzagentur plant außerdem, ab 2025 die Nachrüstung von FI-Schaltern in allen Bestandsgebäuden vorzuschreiben. Wer jetzt handelt, spart später Geld.Was Sie jetzt tun müssen: Ein Schritt-für-Schritt-Plan
- Prüfen Sie Ihren Sicherungskasten: Suchen Sie nach grün-gelben Kästchen (FI-Schalter). Wenn Sie keinen sehen, oder nur einen für das ganze Haus - dann ist es Zeit.
- Buchen Sie einen E-CHECK: Lassen Sie eine qualifizierte Elektrofachkraft Ihr Haus prüfen. Das ist kein Verkaufsgespräch. Das ist eine objektive Prüfung nach DIN VDE 0100. Sie bekommen einen schriftlichen Bericht mit konkreten Handlungsempfehlungen.
- Identifizieren Sie Warnsignale: Flackernde Lichter? Schmorgeruch? Verfärbte Steckdosen? Häufiges Auslösen der Sicherung? Das sind keine Kleinigkeiten. Das sind rote Fahnen.
- Planen Sie schrittweise: Wenn die Kosten zu hoch sind, machen Sie es in Etappen. Zuerst: FI-Schalter in Bad und Küche. Dann: Neue Leitungen in den Wohnräumen. Dann: Austausch der gesamten Leitungen. Jeder Schritt erhöht die Sicherheit.
- Nehmen Sie keine Laien in Anspruch: Kein Freund, der „was von Elektrik versteht“. Kein „Handy-Handwerker“ aus der Anzeige. Nur ein zertifizierter Elektrofachmann. Sonst riskieren Sie nicht nur Ihr Leben - sondern auch Ihren Versicherungsschutz.
Was passiert, wenn Sie nichts tun?
Im Jahr 2022 brannte in einem 1958 gebauten Haus in Graz die Elektroinstallation aus - weil eine alte Leitung brüchig wurde. Die Sicherung hat nicht ausgelöst. Der Brand hat das ganze Dachgeschoss zerstört. Der Besitzer hatte nie einen E-CHECK machen lassen. Die Versicherung zahlte nicht. Der Schaden: 250.000 Euro. Das ist kein Einzelfall. Laut Stadtwerke Solingen ist Elektrizität die Nummer 1 Brandursache in deutschen Wohngebäuden. Und das liegt nicht an Glühbirnen. Es liegt an veralteten Leitungen, die nicht mehr für den modernen Strombedarf ausgelegt sind. Wenn Sie in einem Haus leben, das älter als 20 Jahre ist - und Sie haben keine Ahnung, wie die Elektroinstallation aussieht - dann sind Sie nicht nur unsicher. Sie sind in Gefahr.Was kommt als Nächstes? Die Zukunft der Elektroinstallation
Die Elektroinstallation wird nicht nur sicherer. Sie wird zentral. In den nächsten fünf Jahren wird jeder Haushalt, der ein E-Auto hat, eine Wallbox brauchen. Jeder, der Smart Home nutzt, braucht mehr Steckdosen, mehr Stromkreise, mehr Sicherheit. Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher, intelligente Zähler - alles braucht eine moderne, fachgerechte Elektroinstallation. Prof. Dr. Hans-Jürgen Schmolke vom ZVEI sagt: „Die elektrische Hausinstallation wird zur zentralen Infrastruktur für die Energiezukunft.“ Das bedeutet: Wer jetzt nichts tut, wird in zehn Jahren nicht nur ein unsicheres Haus haben. Er wird ein Haus haben, das nicht mehr nutzbar ist. Keine Wallbox. Keine Solaranlage. Keine Smart-Home-Technik. Keine Zukunft.Muss ich meine Elektroinstallation erneuern, wenn ich mein Haus verkaufe?
Nein, Sie sind nicht gesetzlich verpflichtet, die Elektroinstallation zu erneuern, wenn Sie Ihr Haus verkaufen - solange sie den Vorschriften zum Zeitpunkt der Errichtung entsprach. Aber: Der Käufer wird einen E-CHECK verlangen. Wenn die Prüfung ergeben hat, dass die Anlage nicht mehr den aktuellen Sicherheitsstandards entspricht, wird er den Kaufpreis drücken oder den Kauf ablehnen. Eine moderne Elektroinstallation ist heute ein Verkaufsargument - nicht eine Belastung.
Kann ich die Elektroinstallation selbst erneuern?
Nein. In Österreich und Deutschland dürfen nur zertifizierte Elektrofachkräfte elektrische Installationen ausführen. Laienarbeiten sind nicht nur gefährlich - sie sind auch rechtswidrig. Und: Wenn danach ein Schaden entsteht, weigert sich Ihre Hausratversicherung zu zahlen. Die GDV hat das mehrfach bestätigt. Die Kosten für einen Brand oder einen Stromunfall übersteigen die Kosten einer fachgerechten Sanierung um das Zehnfache.
Wie lange hält eine moderne Elektroinstallation?
Eine modern installierte, fachgerecht verlegte Elektroanlage hält mindestens 40 bis 50 Jahre. Die Leitungen selbst - wenn sie aus Kupfer und mit geeigneten Isolierungen verlegt wurden - sind fast unverwüstlich. Entscheidend ist die Qualität der Verarbeitung und die Verwendung von modernen Sicherungstechniken. Ein FI-Schalter hat eine Lebensdauer von etwa 20 Jahren und sollte regelmäßig getestet werden. Die gesamte Anlage sollte alle 10 Jahre von einem Fachmann überprüft werden.
Was ist ein E-CHECK und warum ist er wichtig?
Der E-CHECK ist ein standardisierter Prüfprozess des Zentralverbands der Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Er prüft Ihre Installation auf Sicherheitsmängel nach DIN VDE 0100. Der Elektrofachmann untersucht den Sicherungskasten, die Leitungen, die Steckdosen, die Schutzmaßnahmen und die Verkabelung. Am Ende bekommen Sie einen schriftlichen Bericht, der genau sagt, was in Ordnung ist und was erneuert werden muss. Er ist der einzige objektive Maßstab, um das Risiko Ihres Hauses zu bewerten - und die Grundlage für jede Sanierung.
Kann ich die Kosten der Elektroinstallation erneuern steuerlich absetzen?
In Österreich ist eine vollständige Elektroinstallationserneuerung grundsätzlich nicht direkt steuerlich absetzbar. Aber wenn Sie sie mit einer energetischen Sanierung kombinieren - etwa mit Wärmedämmung, Fensteraustausch oder einer neuen Heizung - können Sie Fördermittel der KfW nutzen. Diese Zuschüsse können bis zu 5.000 Euro betragen. Die Kombination von Elektrik und Energieeffizienz macht die Sanierung nicht nur sicherer, sondern auch finanziell sinnvoller.
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