Wenn du deine alte Heizung austauschst, kannst du bis zu 70 Prozent der Kosten zurückbekommen. Das klingt nach einem Traum, aber es ist Realität - vorausgesetzt, du nutzt den richtigen Förderrechner. Die meisten Hausbesitzer in Deutschland wissen nicht, wie viel Geld sie wirklich bekommen können. Einige denken, 30 Prozent sind das Maximum. Andere bekommen nur 15 Prozent, weil sie den falschen Rechner benutzt haben. Der Unterschied zwischen 15.000 und 24.500 Euro Förderung liegt manchmal nur an einer einzigen Eingabe.
Warum du mehr als einen Förderrechner brauchst
Es gibt keinen einzigen Rechner, der alles perfekt berechnet. Der BAFA-Rechner zeigt nur, was das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle zahlt. Der KfW-Rechner rechnet nur die Kreditzuschüsse aus. Und die kommerziellen Anbieter wie Energieeffizienzprofi.de oder Waermepumpe.de haben ihre eigenen Regeln. Wenn du nur einen verwendest, verpasst du möglicherweise Tausende Euro.Ein Hausbesitzer aus Leipzig hat 2024 seinen Ölheizungstausch geplant. Er hat den BAFA-Rechner benutzt - und bekam 18.000 Euro angezeigt. Als er den Rechner von Energieeffizienzprofi.de ausprobierte, stellte er fest: Mit dem Einkommensbonus und dem Klimageschwindigkeitsbonus kommen nochmal 3.300 Euro dazu. Das war der Unterschied zwischen einer teuren Sanierung und einer fast kostenlosen.
Experten wie Professor Dr. Markus Blesl von der Universität Stuttgart raten deshalb: Nutze mindestens zwei Rechner. Vergleiche die Ergebnisse. Wenn sie sich stark unterscheiden, frag nach. Oft liegt der Fehler nicht bei dir, sondern bei der Software.
Die vier besten Förderrechner im Detail
1. ÖkoZentrum NRW (Excel-Rechner, Version 3.3)
Dieser Rechner ist der König der Komplexität. Er wurde vom ÖkoZentrum NRW entwickelt und ist der einzige, der Mehrfamilienhäuser mit bis zu 125 Wohnungen genau berechnet. Wenn du ein Haus mit fünf Wohnungen besitzt und die Kosten auf die Mieter aufteilen willst, ist das hier dein Tool.
Er rechnet alle Bonusprogramme: 5 Prozent für natürliche Kältemittel, 5 Prozent für Erdwärme, 10 Prozent für den Einkommensbonus. Er kennt sogar die Unterschiede zwischen Ein- und Zweifamilienhäusern. Aber: Er ist schwer zu bedienen. Du musst Excel können. Du musst deine Baujahrdaten, Miteigentumsanteile und Heizlastwerte manuell eingeben. Ein Anfänger braucht 40 Minuten. Ein Profi braucht 15.
Der große Vorteil: Er ist kostenlos, unabhängig und wird nicht von Werbung beeinflusst. Er wird auch nicht automatisch aktualisiert - du musst ihn jedes Mal neu herunterladen. Die Version vom 1. Juli 2024 ist die aktuellste. Die nächste Version mit KI-Fehlererkennung kommt im Juni 2026.
2. Energieeffizienzprofi.de (Online-Rechner)
Das ist der beliebteste Rechner in Deutschland. Über 62 Prozent der Nutzer greifen darauf zurück. Er ist einfach: Du gibst deine Postleitzahl ein, wählst deinen Heizungstyp aus, gibst dein Einkommen an - und schon siehst du deine Förderung.
Er berücksichtigt nicht nur BAFA und KfW, sondern auch regionale Programme aus Sachsen, Bayern oder Berlin. Wenn du in Dresden wohnst, zeigt er dir die Förderung der Stadtverwaltung an - die meisten anderen Rechner tun das nicht. Die Daten werden monatlich aktualisiert. Die Bewertung auf Trustpilot liegt bei 4,2 von 5 Sternen.
Der Nachteil: Die Eingabemaske ist überladen. Es gibt zu viele Felder. Einige sind versteckt. Du musst genau wissen, was „förderspezifische Kosten“ sind. Und: Er sagt nicht, ob du den Antrag vor oder nach dem Vertragsabschluss stellen musst. Das musst du selbst wissen.
3. Waermepumpe.de (Spezialist für Wärmepumpen)
Wenn du eine Wärmepumpe kaufen willst, ist dieser Rechner dein bester Freund. Er unterscheidet zwischen Luft-Wasser-, Erdwärme- und Abwasser-Wärmepumpen. Und er weiß genau, wann du den 5-Prozent-Bonus für natürliche Kältemittel wie Propan oder CO₂ bekommst.
Ein Nutzer aus Stuttgart hat 2024 eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Propan-Kältemittel installiert. Der Rechner hat ihm 70 Prozent Förderung berechnet - 22.400 Euro. Das BAFA hat später genau das ausgezahlt. Andere Rechner hätten nur 65 Prozent angezeigt, weil sie den Kältemittel-Bonus nicht erkannt haben.
Der Rechner ist aber blind für andere Heizungstypen. Wenn du eine Hybridheizung mit Solarthermie planst, ignoriert er das. Auch für alte Denkmalhäuser gibt es keine Sonderregelungen. Er ist perfekt für Wärmepumpen - aber nichts anderes.
4. BAFA- und KfW-Rechner (offiziell, aber begrenzt)
Die beiden offiziellen Rechner von BAFA und KfW sind verlässlich - aber unvollständig. BAFA zeigt nur, was das Amt zahlt. KfW zeigt nur, was die Bank zahlt. Beide ignorieren regionale Förderungen. Beide ignorieren Bonuskombinationen, die nur durch die Zusammenarbeit von mehreren Programmen entstehen.
Ein Beispiel: Du hast ein Einfamilienhaus aus 1978, verdienst 38.000 Euro im Jahr und willst eine Erdwärme-Pumpe einbauen. Der BAFA-Rechner sagt: 45 Prozent. Der KfW-Rechner sagt: 30 Prozent. Der Energieeffizienzprofi-Rechner sagt: 70 Prozent - weil er den Einkommensbonus, den Klimageschwindigkeitsbonus und den Erdwärme-Bonus kombiniert. Die offiziellen Rechner können das nicht.
Was du brauchst, bevor du rechnest
Bevor du irgendeinen Rechner öffnest, sammle diese Daten:
- Postleitzahl deiner Immobilie (für regionale Programme)
- Baujahr des Hauses (nicht der Heizung!)
- Anzahl der Wohnungen
- Dein jährliches Bruttoeinkommen (für den Einkommensbonus)
- Geplanter Heizungstyp (Wärmepumpe, Holzpellet, Hybrid?)
- Ob du selbst nutzt oder vermietest (Vermieter bekommen weniger)
- Ob du ein Denkmalhaus hast (wenn ja, brauchst du einen Experten)
Wenn du diese Daten nicht hast, wirst du falsche Ergebnisse bekommen. Ein Nutzer aus Chemnitz hat 2024 sein Einkommen falsch eingegeben - 50.000 statt 35.000 Euro. Das hat ihn 7.200 Euro Förderung gekostet. Er hat es erst gemerkt, als das BAFA den Antrag ablehnte.
Die wichtigsten Regeln, die keiner sagt
Es gibt drei Regeln, die fast jeder vergisst - und die dich teuer werden können.
- Der Antrag muss vor dem Vertrag kommen. Du darfst keinen Handwerker beauftragen, bevor du den Förderantrag gestellt hast. Nur der Vertrag mit dem Betrieb ist erlaubt - aber nicht die Bestellung der Heizung.
- Maximal 35.000 Euro förderfähige Kosten. Ab 2025 steigt die Grenze von 30.000 auf 35.000 Euro. Das heißt: Selbst wenn deine Heizung 45.000 Euro kostet, bekommst du nur Förderung für 35.000 Euro.
- Keine Doppelvergütung. Du kannst nicht gleichzeitig BAFA-Zuschuss, KfW-Kredit und einen Stadtförderbonus nehmen, wenn die Summe über 60 Prozent der Kosten geht. Das ist verboten. Die Rechner zeigen das nicht immer an.
Ein Vermieter aus Köln hat 2024 zwei Programme kombiniert - und wurde später zurückerstattet. Er musste 9.800 Euro zurückzahlen. Das war mehr als die Hälfte seiner ursprünglichen Förderung.
Was kommt 2025 und 2026?
Die Förderung verändert sich schnell. Ab 1. Januar 2025:
- Maximale förderfähige Kosten steigen von 30.000 auf 35.000 Euro
- Der Einkommensbonus wird an die Inflation angepasst
- Die Förderung für Luft-Wasser-Wärmepumpen ohne natürliche Kältemittel sinkt um 5 Prozent
Ab 2026 soll es einen zentralen Digitalen Förderassistenten geben - ein einheitliches System, das alle Programme verknüpft. Aber bis dahin: Nutze die Rechner, die jetzt da sind. Und nutze mehrere.
Was tun, wenn der Rechner nichts anzeigt?
Manchmal zeigt ein Rechner 0 Euro Förderung an. Das bedeutet nicht, dass du nichts bekommst. Es bedeutet nur, dass du etwas falsch eingegeben hast - oder dass dein Fall nicht standardmäßig abgedeckt ist.
Wenn du ein Denkmalhaus hast, ein Gebäude mit historischer Heizung oder eine Hybridheizung mit Solarthermie: Die meisten Rechner ignorieren das. In solchen Fällen musst du dich an die Verbraucherzentrale wenden. Sie haben spezielle Berater, die deine Situation manuell prüfen.
Ein Nutzer aus Dresden hat 2024 eine alte Dampfheizung in einem denkmalgeschützten Haus ausgetauscht. Der Rechner zeigte 0 Euro. Die Verbraucherzentrale hat ihm dann einen individuellen Förderplan erstellt - mit 65 Prozent Zuschuss. Ohne ihre Hilfe hätte er 16.000 Euro verloren.
Wie du die Förderung wirklich bekommst
Der Rechner ist nur der Anfang. Der Antrag ist der nächste Schritt. Und der ist oft komplizierter als die Berechnung.
Du musst:
- Den Antrag online über das BAFA-Portal oder das KfW-Portal stellen
- Einen Vertrag mit einem zertifizierten Handwerker haben
- Rechnungen und Nachweise über die Heizung speichern
- Den Einbau durch einen Sachverständigen bestätigen lassen
- Alle Unterlagen innerhalb von 12 Monaten nach Einbau einreichen
Die Auszahlung dauert meist 4 bis 6 Wochen. Manchmal länger. Aber wenn du alles richtig machst, kommt das Geld - oft sogar vor der Rechnung. Einige Handwerker verlangen nur 30 Prozent Vorauszahlung, wenn du den Förderbescheid vorlegst.
Kann ich den Förderrechner auch für eine Hybridheizung nutzen?
Einige Rechner wie Energieeffizienzprofi.de und Waermepumpe.de unterstützen Hybridheizungen, aber nicht alle. Der ÖkoZentrum-Rechner erkennt sie, wenn du die genauen Technologien eingibst. Wichtig: Du kannst nur die Kosten für den neuen Heizkessel fördern lassen - nicht für die bestehende Solarthermie. Die Förderung gilt nur für den Heizungstausch, nicht für die Ergänzung.
Was passiert, wenn ich die Heizung selbst einbaue?
Dann bekommst du keine Förderung. Die Förderung setzt voraus, dass ein zertifizierter Handwerker die Anlage installiert und die Arbeiten dokumentiert. Selbstbau ist ausgeschlossen - egal wie gut du dich auskennst. Das gilt für alle Programme: BAFA, KfW, regionale Förderungen.
Kann ich die Förderung auch für ein Mietshaus nutzen?
Ja, aber nur als Vermieter. Du bekommst maximal 35 Prozent Förderung - nicht 70. Der Einkommensbonus entfällt. Der Rechner vom ÖkoZentrum NRW ist der einzige, der die Kosten pro Wohnung genau aufteilt. Andere Rechner rechnen nur für das gesamte Haus - das führt oft zu falschen Ergebnissen.
Warum zeigt mein Rechner 0 Euro, obwohl ich eine Wärmepumpe kaufe?
Du hast wahrscheinlich eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ohne natürliche Kältemittel gewählt. Ab 2026 wird deren Förderung um 5 Prozent reduziert - und viele Rechner haben das noch nicht aktualisiert. Prüfe, ob dein Modell Propan, CO₂ oder Wasser als Kältemittel nutzt. Wenn nicht, bekommst du nur 65 Prozent statt 70. Der Waermepumpe.de-Rechner zeigt das genau an.
Muss ich den Rechner nochmal nutzen, wenn ich den Handwerker wechsle?
Nein. Der Förderantrag ist an die Immobilie und den Heizungstyp gebunden - nicht an den Handwerker. Solange du den Vertrag mit einem zertifizierten Betrieb hast, kannst du den Antrag auch nach einem Wechsel einreichen. Du musst nur die neue Rechnung und den neuen Nachweis hochladen.
Was du jetzt tun solltest
Öffne den Energieeffizienzprofi.de-Rechner. Gib deine Postleitzahl ein. Wähle deine Heizung aus. Gib dein Einkommen ein. Klicke auf „Berechnen“. Notiere das Ergebnis.
Dann öffne den ÖkoZentrum NRW-Rechner. Lade ihn herunter. Gib die gleichen Daten ein. Vergleiche die Zahlen. Wenn sie sich um mehr als 5.000 Euro unterscheiden, frag nach. Nutze die Verbraucherzentrale. Sie beraten kostenlos.
Und dann: Stell den Antrag. Nicht morgen. Nicht nächste Woche. Heute. Denn die Förderung wird nicht ewig bleiben. Und wer zu lange wartet, zahlt mehr - und bekommt weniger.
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