Innendämmung im Reihenhaus: So sichern Sie Luftdichtheit und vermeiden Schäden

Jan 1, 2026

Innendämmung im Reihenhaus: So sichern Sie Luftdichtheit und vermeiden Schäden

Innendämmung im Reihenhaus: So sichern Sie Luftdichtheit und vermeiden Schäden

Wenn du ein Reihenhaus aus den 70er oder 80er Jahren hast, weißt du wahrscheinlich: Die Wände sind kalt, die Heizkosten hoch, und Schimmel an den Ecken ist kein seltenes Problem. Außendämmung? Meist unmöglich - die Nachbarwand steht direkt an deinem Grundstück, und du darfst nicht über die Grenze bauen. Die einzige Lösung: Innendämmung. Doch hier liegt die Falle. Wer nur Dämmplatten an die Wand klebt, ohne auf die Luftdichtheit zu achten, macht einen großen Fehler. Denn bei Innendämmung ist nicht die Dicke des Materials entscheidend - sondern ob du die Luft wirklich dicht bekommst.

Warum Luftdichtheit bei Innendämmung alles bestimmt

Luftdichtheit-Werte und ihre Bedeutung
n50-Wert (h⁻¹) Bewertung Praktische Folge
unter 1,5 sehr dicht Passivhaus-Niveau - ideal, aber aufwendig
1,5 - 3,0 gut akzeptabel nach GEG 2024, Schadensrisiko niedrig
3,0 - 5,0 mittel früher akzeptiert, heute nicht mehr ausreichend
über 8,0 sehr undicht hohe Heizverluste, fast immer Schimmel

Die Luftdichtheit ist der Schlüssel. Sie verhindert, dass warme, feuchte Raumluft in die Wand wandert. Dort kühlt sie ab, kondensiert - und bildet Tauwasser. Das führt zu Schimmel, faulendem Holz und schließlich zu teuren Sanierungen. Laut einer Studie des Bundesverbands Wärmedämm-Systeme (2023) waren 87 % der gescheiterten Innendämmungen in Reihenhäusern auf mangelhafte Luftdichtheit zurückzuführen. Nicht auf schlechte Dämmstoffe. Nicht auf falsche Dicke. Sondern auf undichte Anschlüsse.

Der Wert, der zählt, ist der n50-Wert. Er misst, wie oft sich die Luft im Haus pro Stunde bei einem Druckunterschied von 50 Pascal austauscht. Früher galt ein Wert von 5,0 als akzeptabel. Ab 2025 verlangt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) nur noch ≤ 3,0 h⁻¹. Wer das nicht erreicht, bekommt keine Förderung. Und wer es nicht erreicht, wird mit Schimmel belohnt.

Die kritischen Stellen - wo die meisten Fehler passieren

Es gibt drei Stellen in einem Reihenhaus, die du besonders im Auge behalten musst. Hier passieren 90 % aller Probleme.

  • Trennfuge zur Nachbarwand: Das ist die gefährlichste Stelle. Die Luftdruckdifferenz zwischen deinem Haus und dem Nachbarhaus ist oft höher als gedacht. Wenn die Fuge nicht luftdicht verklebt ist, zieht die Luft wie durch ein Loch durch die Dämmung - und bringt Feuchtigkeit mit. Spezielle Trennfugenprofile von SIGA oder Pro Clima sind hier Pflicht. Kein Klebeband von der Baumarkt-Abteilung.
  • Wand-Decken-Anschluss: Oft wird die Dämmung nur bis zur Decke geführt, aber nicht bis zum First. Die Luft sammelt sich oben, kondensiert - und Schimmel wächst an der Deckenkante. Die Luftdichtheitsebene muss kontinuierlich bis zum Dachfirst reichen. Das bedeutet: Auch im Dachgeschoss muss die Membran weiterlaufen.
  • Fenster- und Türanschlüsse: Hier wird oft mit Schaum gearbeitet. Aber Schaum ist nicht luftdicht. Er reißt, bricht, verändert sich mit der Temperatur. Richtig gemacht: Mit flexiblen, dauerelastischen Klebebändern wie TESCON Vana oder SIGA Fentap seal verkleben. Und dann mit einem Dichtungsprofil abdichten.

Ein Beispiel: Ein Hausbesitzer aus Chemnitz ließ 2022 seine Innendämmung mit 10 cm Mineralwolle einbauen - alles nach „Bauernregel“. Drei Jahre später: Schimmel an der Decke. Die Luftdichtheit war nie geprüft. Die Reparatur: 3.200 €, weil die ganze Decke abgenommen und neu verklebt werden musste. Der Fehler? Kein Blower-Door-Test vor oder nach der Arbeit.

Schnittansicht einer Reihenhauswand mit falsch und richtig installierter Luftdichtheit, Luftströme visualisiert.

Was du brauchst - Materialien, die wirklich funktionieren

Nicht jedes Dämmmaterial ist für Innendämmung geeignet. Und nicht jedes Klebeband hält.

  • Dämmstoff: Mindestens 8-10 cm Dicke für eine 36,5 cm starke Mauer. Das ist nötig, um den U-Wert von 0,20 W/m²K zu erreichen. Geeignet sind: Mineralwolle (z. B. ISOCELL), Holzfaserdämmplatten oder EPS-Platten mit diffusionsoffener Oberfläche. Holzfaser ist besonders gut für Altbauten - sie speichert Feuchtigkeit und gibt sie wieder ab, wenn die Luft trockener wird.
  • Luftdichtheitsebene: Keine normale Dampfbremse! Du brauchst eine diffusionsoffene Dampfsperre mit variablem μ-Wert. Pro Clima Intello Plus ist ein Beispiel: Sie lässt Feuchtigkeit nach außen entweichen, wenn die Luft trocken ist, und blockiert sie, wenn es feucht ist. Ihr μ-Wert liegt zwischen 55 und 135 - ideal für Reihenhäuser.
  • Klebebänder: Nur Systembänder von SIGA, Pro Clima oder TESCON. Kein normales Klebeband. Kein Alu-Klebeband. Die Bänder müssen dauerelastisch sein, witterungsbeständig und speziell für Innendämmung zugelassen. TESCON Vana oder SIGA Fentap seal sind die Standardlösungen.

Ein falscher Kleber kann alles ruinieren. Ein Handwerker aus Dresden berichtete im Forum Bauphysik.de, dass er 2023 eine Innendämmung mit „günstigem“ Klebeband aus dem Baumarkt gemacht hatte. Nach einem Jahr: Risse. Nach zwei Jahren: Schimmel. Die Firma zahlte die Reparatur - weil sie nicht wusste, dass die Bänder nicht für diesen Einsatz zugelassen sind.

Der richtige Ablauf - Schritt für Schritt

Wenn du es richtig machen willst, gibt es einen klaren Prozess. Keine Abkürzungen.

  1. Trockenheitsprüfung: Die Außenwand darf maximal 2,5 Gewichtsprozent Restfeuchte haben. Messen mit einem Feuchtemesser - nicht schätzen. Wenn die Wand nass ist, wird die Innendämmung zur Feuchtefalle.
  2. Planung der Luftdichtheitsebene: Zeichne auf, wo die Membran verläuft - von Boden bis Dachfirst. Markiere alle Anschlüsse: Fenster, Türen, Nachbarwand, Decke. Hier brauchst du spezielle Profile.
  3. Anbringung der Dämmung: Dämmstoff anbringen, dann die Membran darauf. Keine Falten, keine Löcher. Die Membran muss vollflächig aufliegen.
  4. Luftdichtes Verkleben: Alle Anschlüsse mit Systembändern verkleben. Keine Lücken. Keine Überschneidungen. Jeder Übergang muss wie eine Naht abgedichtet sein.
  5. Blower-Door-Test vor und nach: Vorher, um zu sehen, wo die Lecks sind. Nachher, um zu beweisen, dass du unter 3,0 h⁻¹ bist. Nur so bekommst du Förderung - und nur so vermeidest du Schimmel.

Ein durchschnittliches Reihenhaus (120 m²) braucht 3-4 Wochen für die komplette Sanierung. Die Kosten liegen zwischen 80 und 120 € pro Quadratmeter. Das klingt viel - aber im Vergleich zu einer Schimmelbeseitigung oder einem neu verklebten Dachgeschoss ist es eine Investition.

Dachgeschoss mit durchgehender luftdichter Membran bis zum First, Blower-Door-Testgerät zeigt 2,8 h⁻¹ an.

Was passiert, wenn du es falsch machst?

Die Zahlen sind erschreckend. Laut einer Umfrage des Deutschen Energieberater-Netzwerks (2023) hatten 68 % der Innendämmungen in Reihenhäusern, die ohne professionelle Luftdichtheitsplanung durchgeführt wurden, Probleme mit Schimmel oder Zugluft. Bei fachgerecht ausgeführten Projekten - mit Test und Systemmaterial - waren es nur 12 %.

Die häufigsten Probleme:

  • Zugluft an Fenstern (43 % der Fälle)
  • Schimmel an Wand-Decken-Anschlüssen (37 %)
  • Feuchtigkeit hinter der Dämmung (29 %)
  • Feuchte Nachbarwand (18 %)

Und das ist das Schlimmste: Die Schäden zeigen sich oft erst nach zwei oder drei Jahren. Dann ist die Dämmung schon verkleidet, die Wand verputzt - und du musst alles wieder aufmachen. Ein teurer Lernprozess.

Was die Zukunft bringt

Die Technik verbessert sich. Im März 2023 stellte ISOCELL das System „Reihenhausdicht“ vor - speziell für die Trennfuge zur Nachbarwand. Es senkt den n50-Wert auf 1,5 h⁻¹. In München wurde ein „intelligentes“ Dampfbremsmaterial getestet, das sich an die Luftfeuchtigkeit anpasst - und die Feuchtereserven um 40 % erhöht. Das ist ein großer Schritt.

Aber die größte Hürde bleibt: die Handwerker. Nur 43 % der befragten Betriebe hatten 2023 die spezifischen Kenntnisse für luftdichte Innendämmung in Reihenhäusern. Die meisten sind auf Außendämmung trainiert. Wer das nicht kann, macht es falsch.

Die Lösung? Du musst dich selbst informieren. Frag nach dem Blower-Door-Test. Frag nach den Klebebändern. Frag nach der Membran. Wenn der Handwerker nicht weiß, was ein Intello Plus ist - geh woanders hin. Es ist dein Haus. Es ist deine Gesundheit.

Die Innendämmung ist kein Luxus - sie ist die einzige Möglichkeit, viele Reihenhäuser energieeffizient zu sanieren. Aber sie ist auch kein einfacher Job. Sie braucht Wissen, Präzision und Disziplin. Wer das nicht einhält, zahlt später mit Schimmel, Feuchtigkeit und hohen Heizkosten.

Kann ich Innendämmung selbst machen?

Theoretisch ja - aber nur, wenn du die Luftdichtheit perfekt beherrschst. Das bedeutet: Du musst den Blower-Door-Test durchführen können, Systembänder richtig verkleben, Anschlüsse mit Profilen abdichten und die Feuchtemessung verstehen. Die meisten DIY-Enthusiasten unterschätzen das. 87 % der gescheiterten Projekte wurden von Laien oder ungeeigneten Handwerkern durchgeführt. Es ist riskant. Und die Folgen sind teuer. Besser: Einen zertifizierten Energieberater mit Fachkraft für Wärmedämmung hinzuziehen.

Wie viel Wohnfläche verliere ich durch Innendämmung?

Bei 10 cm Dämmstärke verlierst du etwa 5-7 % der Wohnfläche - das sind bei einem 120 m² großen Reihenhaus rund 6-8 m². Das klingt viel, ist aber vergleichbar mit dem Verlust durch eine Außendämmung, wenn du die Fassade verkleidest. Der Unterschied: Bei Außendämmung verlierst du die Fassadenoptik, bei Innendämmung verlierst du Raum. Beides ist ein Kompromiss - aber Innendämmung ist oft die einzige machbare Lösung bei Grenzbebauung.

Ist Innendämmung für Holzfachwerkhäuser geeignet?

Ja - aber nur mit extrem hoher Vorsicht. Holzfachwerkhäuser atmen. Eine falsche Innendämmung kann die Feuchtigkeitsregulierung komplett stören. Laut einer TU-München-Studie führten 63 % der unprofessionell durchgeführten Innendämmungen bei Fachwerkhäusern zu schweren Feuchteschäden. Hier ist eine diffusionsoffene Dampfsperre wie Intello Plus Pflicht. Und ein Blower-Door-Test vor und nach der Sanierung. Keine Ausnahme.

Warum ist der n50-Wert von 3,0 h⁻¹ so wichtig?

Weil er der neue gesetzliche Standard ist - ab 2025 gilt er für alle Sanierungen mit Innendämmung. Wer unter 3,0 h⁻¹ liegt, hat eine hohe Luftdichtheit, minimale Heizverluste und ein sehr geringes Risiko für Schimmel. Wer darüber liegt, hat Luftlecks - und damit Feuchtigkeit in der Wand. Die Förderung (z. B. von der KfW) wird nur bei ≤ 3,0 h⁻¹ ausgezahlt. Ein Wert von 5,0 h⁻¹ ist heute nicht mehr akzeptabel - und gefährlich.

Welche Förderung gibt es für Innendämmung im Reihenhaus?

Die KfW fördert Sanierungen mit Innendämmung über das Programm „Energieeffizient Sanieren“. Du bekommst bis zu 30 % Zuschuss, wenn du den U-Wert auf 0,20 W/m²K bringst und den n50-Wert ≤ 3,0 h⁻¹ nachweist. Voraussetzung: Ein Energieberater mit Fachkraft für Wärmedämmung führt die Planung durch. Ohne diesen Nachweis - keine Förderung. Die Anträge müssen vor Beginn der Arbeiten gestellt werden.

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