Ein Keller oder Dachboden klingt erst mal wie ein einfacher Lagerraum - doch wenn du dort Strom verlegen willst, wird es kompliziert. Viele machen den Fehler, hier einfach eine Steckdose und ein Licht anzuschließen, als wäre es eine normale Wohnung. Doch das ist gefährlich und oft gesetzlich nicht erlaubt. In Deutschland gelten für Kellerräume und Dachböden klare Regeln, die du nicht ignorieren darfst. Die Elektroinstallation im Keller oder Dachboden muss anderen Anforderungen genügen als im Wohnzimmer. Wer das nicht beachtet, riskiert nicht nur einen Mangel bei der Gebäudeprüfung, sondern auch einen Elektrizitätsschlag oder einen Brand.
Warum Kellerräume und Dachböden anders behandelt werden
Keller sind Feuchträume. Selbst wenn du denkst, dein Keller ist trocken - Wände, Boden und Luft können Feuchtigkeit speichern. Das ist besonders problematisch, wenn du dort Steckdosen oder Lichter installierst. Die Norm DIN 18015-2:2008-05 ist die wichtigste Regelung für Elektroinstallationen in Wohngebäuden und definiert, wie Anlagen in Kellern und Dachböden sicher installiert werden müssen. Sie sagt klar: Kellerräume gehören zu den Schutzräumen mit erhöhtem Berührungspotential. Das bedeutet: Jede Steckdose, jede Leuchte, jeder Schalter muss gegen Feuchtigkeit geschützt sein.Dachböden hingegen gelten als Trockenräume - aber das heißt nicht, dass sie einfach sind. Hier herrschen extreme Temperaturen. Im Sommer können bis zu 55 °C erreicht werden, wie Messungen des VDE-Instituts zeigen. Das belastet Kabel, die sonst für 30-40 °C ausgelegt sind. Außerdem sammelt sich Staub, Spinnweben und Schmutz - das kann die Isolierung beschädigen. Und wenn du den Dachboden später als Büro, Hobbyraum oder Schlafzimmer nutzt, brauchst du mehr Strom als gedacht.
Was du bei der Elektroinstallation im Keller beachten musst
In Kellern gibt es drei große Fehler, die fast jeder macht: falsche Kabel, keine Schutzart und kein Potentialausgleich.- Kabelmaterial: Nur Kupfer! Aluminiumkabel sind in Kellern verboten. Sie oxidieren bei Feuchtigkeit, werden brüchig und können sich lösen. Das ist ein klassischer Brandherd. Verwende immer Kupferleiter mit mindestens 1,5 mm² Querschnitt für Licht und 2,5 mm² für Steckdosen.
- IP-Schutzart: Mindestens IPX4 - das heißt, die Leuchten und Steckdosen müssen gegen Spritzwasser geschützt sein. Ein normales Wohnzimmer-Licht mit IP20 reicht nicht. Du brauchst spezielle Kellerleuchten mit dichtem Gehäuse. Auch Steckdosen müssen mit Abdeckklappen ausgestattet sein.
- Potentialausgleich: Nicht vergessen! Jeder Keller muss mit einem Potentialausgleichsleiter verbunden sein. Das ist ein Kupferdraht, der alle metallischen Teile - Wasserleitungen, Heizkörper, Rohre - mit dem Erdungsnetz verbindet. Ohne ihn kann es bei einem Kurzschluss zu gefährlichen Spannungen kommen. Laut einer ZVEH-Umfrage war in 78 % der beanstandeten Kellerinstallationen genau das der Fall.
Steckdosen im Keller müssen mindestens 30 cm über dem Boden montiert sein. Warum? Bei Überschwemmungen - und die kommen häufiger vor, als man denkt - soll das Wasser nicht bis zur Steckdose reichen. Auch die Verlegung der Leitungen ist geregelt: Sie verlaufen entweder horizontal in 15-45 cm oder 100-130 cm Höhe über dem Boden, oder vertikal an Türen und Ecken in 10-30 cm Abstand. Wer das nicht einhält, macht die Installation später unübersichtlich und gefährlich.
Was du bei der Elektroinstallation im Dachboden beachten musst
Dachböden sind kein „Zusatzraum“, sondern ein vollwertiger Nutzungsbereich - und das verändert alles. Hier geht es nicht nur um Feuchtigkeit, sondern um Hitze, Zugänglichkeit und zukünftige Nutzung.- Leitungsquerschnitt: Mindestens 6 mm² - das ist der häufigste Fehler. Viele schließen den Dachboden mit einer 4 mm²-Leitung vom Keller aus an. Das ist zu dünn. Wenn du später ein Homeoffice einrichtest, mit PC, Drucker, Lampe und Ladegerät, dann überlastet das die Leitung. Der VDE schreibt für eine 35 A abgesicherte Zuleitung mindestens 6 mm² vor. Sonst wird das Kabel heiß - und das kann zur Isolationsbeschädigung führen.
- IP-Schutzart: IP20 bis IP54 - je nach Nutzung. Für reine Lagerung reicht IP20. Wenn du dort arbeitest, brauchst du IP44 oder IP54, um Staub und Spinnweben abzuhalten. Leuchten mit offenen Reflektoren sind tabu.
- Unterverteilung: Unbedingt einbauen! Ein Dachboden mit Steckdosen und Licht braucht seine eigene Verteilung. Nicht nur eine Leitung vom Keller. Du brauchst einen kleinen Verteilerkasten mit mindestens drei Leitungsschutzschaltern: einer für Licht, zwei für Steckdosen. Sonst wirst du bei einem Ausfall den ganzen Keller abschalten müssen - und das ist unnötig und gefährlich.
Ein weiterer Tipp: Nutze Aufputz-Kabelkanäle. Sie sind einfach zu installieren, lassen sich später erweitern und sind übersichtlich. Viele Handwerker empfehlen sie besonders für Dachböden - weil man dort oft nicht in die Decke bohren kann, ohne das Dach zu beschädigen.
Neue Regeln ab 2023: FI-Schutzschalter sind Pflicht
Seit dem 1. Juni 2023 gilt die aktualisierte DIN VDE 0100-550:2023-06 schreibt vor, dass in allen neuen Elektroinstallationen in Kellern und Dachböden FI-Schutzschalter mit 30 mA vorgeschrieben sind. Das bedeutet: Selbst wenn du nur eine Steckdose einbaust, musst du sie über einen FI-Schalter absichern. Früher war das nur bei Badezimmern oder Außensteckdosen nötig. Jetzt gilt es für alle Räume mit erhöhtem Risiko - und das sind Kellern und Dachböden.Dieser Schutz schaltet innerhalb von 0,3 Sekunden ab, wenn ein kleiner Stromleck entsteht - etwa wenn ein Kabel durch Feuchtigkeit beschädigt ist. Er rettet Leben. Und er ist nicht teuer: Ein guter FI-Schalter kostet zwischen 50 und 80 €. Das ist ein Preis, den du nicht sparen solltest.
Die Kosten: Was du wirklich zahlen musst
Ein professioneller Elektriker verlangt für eine komplette Elektroinstallation im Keller durchschnittlich 1.850 €. Das beinhaltet: Verlegung aller Leitungen, Einbau von Verteilerkasten, Steckdosen, Lichtschaltern, FI-Schutz und Prüfung. Im Dachboden ist es etwas günstiger: rund 1.420 €. Warum? Weil der Dachboden leichter zugänglich ist - kein Bohren durch Beton, keine Verlegung unter Estrich. Aber: Wenn du den Dachboden als Büro nutzt, brauchst du mehr Leitungen, mehr Steckdosen, mehr Sicherungen - und dann steigen die Kosten.Was du nicht sparen solltest: Die Prüfung nach Abschluss. Ein zertifizierter Elektrofachmann stellt dir eine Prüfbescheinigung aus - das ist wichtig, wenn du später verkaufst oder versicherst. Ohne diese Papiere kann deine Hausratversicherung bei einem Brand den Schaden verweigern.
Was kommt als Nächstes? Die Zukunft der Elektroinstallation
Die Anforderungen werden strenger. Bald wird es nicht mehr reichen, nur Licht und Steckdosen zu verlegen. Die nächste Novelle der DIN 18015-2, die im vierten Quartal 2024 erscheint, wird klare Vorgaben für Ladeinfrastruktur in Kellern enthalten. Denn 43 % der E-Auto-Besitzer laden ihr Fahrzeug im Keller - und das braucht eine eigene, abgesicherte Leitung mit 11 kW oder mehr.Auch Photovoltaik auf Dachböden wird immer häufiger. Wenn du Solarpanele auf dem Dach hast, dann ist der Dachboden oft der ideale Ort für den Wechselrichter. Aber: Solarstrom und Hausstrom dürfen nicht in einem Kabel verlegt werden. Sie müssen getrennt und mit speziellen Schaltern abgesichert sein. Das ist ein neues Thema, das viele Elektriker noch nicht beherrschen - aber du solltest es kennen, wenn du renovierst.
Typische Fehler - und wie du sie vermeidest
Die häufigsten Probleme, die bei Prüfungen auffallen:- Falsche Leitungsquerschnitte (78 % der Fälle: 4 mm² statt 6 mm²)
- Kein Potentialausgleich im Keller (78 % der beanstandeten Installationen)
- Falsche IP-Schutzart bei Leuchten im Dachboden (65 %)
- Keine separate Unterverteilung im Dachboden
- Steckdosen zu niedrig montiert (unter 30 cm)
Vermeide sie, indem du:
- Bevor du anfängst: Eine Skizze der Leitungswege machst - mit Abständen, Höhen und Anschlüssen.
- Du dich an die VDE-Regeln hältst - nicht an „das hat mein Nachbar auch so gemacht“.
- Du einen Elektrofachmann konsultierst, bevor du bohrst.
- Du dir die Prüfbescheinigung ausstellen lässt - und sie aufbewahrst.
Elektroinstallationen in Kellern und Dachböden sind kein DIY-Projekt für Anfänger. Sie sind technisch anspruchsvoll, gesetzlich geregelt und lebenswichtig. Wer hier spart, zahlt später mit Sicherheit - mit Geld, mit Zeit oder mit der eigenen Sicherheit.
Darf ich im Keller Kabel in der Wand verstecken?
Ja, aber nur mit bestimmten Vorgaben. Verdeckte Installationen sind erlaubt - aber du musst die Leitungswege genau dokumentieren. Die Kabel müssen in Leerrohren oder Schutzrohren verlegt sein, damit sie später ausgetauscht werden können. Ein einfaches Bohren in die Wand mit direkter Verlegung ist nicht erlaubt. Außerdem: Keine Kabel unter dem Estrich oder in der Dämmschicht, wenn der Keller feucht ist. Das erhöht das Risiko von Kurzschlüssen.
Kann ich im Dachboden eine Steckdose für einen Kühlschrank einbauen?
Ja - aber nur, wenn du eine separate Leitung mit FI-Schutzschalter und mindestens 2,5 mm² Kabel verlegst. Ein Kühlschrank zieht kontinuierlich Strom - und wenn er überlastet, kann das zu einer Überhitzung führen. Außerdem: Die Steckdose muss IP44 oder höher haben, wenn der Dachboden nicht vollständig isoliert ist. Und: Keine Verlängerungskabel nutzen. Das ist ein klassischer Brandherd.
Brauche ich einen eigenen Stromkreis für jede Steckdose im Dachboden?
Nein, aber du brauchst mindestens zwei separate Stromkreise: einen für Licht, einen für Steckdosen. Wenn du mehr als drei Steckdosen einbaust, solltest du zwei Steckdosenkreise haben - je maximal acht Steckdosen pro Kreis. Sonst läuft der Leitungsschutzschalter bei gleichzeitiger Nutzung von PC, Drucker und Ladegerät aus. Das ist nicht nur ärgerlich - es ist ein Warnzeichen für Überlastung.
Wie oft muss ich die Elektroinstallation im Keller prüfen lassen?
Nach der Installation ist eine Erstprüfung Pflicht. Danach empfehlen Fachleute alle 10 Jahre eine erneute Prüfung - besonders wenn der Keller feucht ist oder du ihn umgebaut hast. Wenn du eine Mietwohnung hast, ist die Prüfung Teil der Hauswartung. Bei Eigenheimen ist es nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber sehr sinnvoll. Viele Versicherungen verlangen eine Prüfbescheinigung bei Schadensfällen.
Kann ich den Dachboden mit einer Leitung vom Keller aus versorgen?
Nur wenn du die richtige Leitung verwendest: mindestens 6 mm² Kupfer, 35 A abgesichert und mit FI-Schutz. Aber das ist keine gute Lösung. Besser ist ein eigener Verteilerkasten im Dachboden. Sonst kannst du bei einem Ausfall nicht nur den Dachboden, sondern auch den Keller abschalten. Und bei einer Erweiterung - etwa für ein Homeoffice - wirst du schnell an deine Grenzen stoßen. Die meisten Experten raten: Immer eine eigene Unterverteilung einbauen.
9 Kommentare
Max Summerfield
Kabel in der Wand verstecken? Ja, aber nur mit Leerrohren. Sonst bist du bei der nächsten Renovierung aufgeschmissen. Ich hab das mal selbst gemacht - ohne Rohre. Zwei Jahre später: Kabelbruch, Wand auf, Chaos. Lerne aus meinen Fehlern.
Und nein, nicht unter Dämmung. Das ist ein Brandrisiko mit Namen ‚ich dachte, das reicht‘.
Nicole L
Ich komme aus Norwegen und dachte, wir sind streng mit Elektro... aber das hier? Das ist wie eine Anleitung für Überleben in einer Strombombe. Wer das nicht liest, sollte lieber nur Kerzen nutzen. Ich hab Angst, jetzt.
Justice Siems
IP44 für Dachboden? 😅 Ich hab neulich ne Steckdose mit IP20 in meinem Dachboden-Office installiert... und jetzt hab ich ne Spinne, die jeden Morgen am Kabel klebt. Ist das jetzt ein Problem? Oder nur ein cooles Haustier? 🕷️
PS: FI-Schalter ist kein Luxus, das ist dein Lebensversicherung mit 70€ Aufpreis. Kaufen. Nicht denken.
Astrid van Harten
Ach ja, 1.850€ für den Keller. Super. Und wer zahlt das? Ich? Nein. Mein Vermieter? Nein. Die Versicherung? Nur wenn ich den Brand verursacht hab. Also mach ich es selbst. Mit Kabeltrommel, Zange und dem Glauben, dass ich clever bin. Bis der FI-Schalter auslöst... und ich dann doch den Elektriker rufe. #DIYtoDeath
Achim 888
Die Normen. Die Regeln. Die Angst. Alles, was uns vom Leben abhält. Was ist eigentlich der Sinn des Lebens, wenn man nicht mal eine Steckdose ohne Genehmigung einbauen darf? Vielleicht ist es die Erkenntnis, dass wir alle nur vorübergehende Stromleitungen sind. Mit IP20.
Spencer Hack
6 mm² für den Dachboden? Ja. Aber nur, wenn du auch 30 cm Abstand zum Dachbalken hältst. Sonst ist es nur eine teure Dekoration mit Strom. Und nein, du brauchst keinen eigenen Kreis für jede Steckdose. Nur zwei. Und einen FI. Punkt.
Seka Bay
Kabel unter Estrich bei Feuchtigkeit. Nein. Aber warum? Weil es kaputt geht. Weil es brennt. Weil es teuer wird. Weil du es nicht siehst. Weil du es nicht kontrollierst. Weil du es nicht kannst. Weil du es nicht willst. Weil du es nicht weißt. Weil du es nicht lernst. Weil du es nicht fragst. Weil du es nicht tust. Weil du es nicht brauchst. Weil du es nicht wirst.
Hedda Davidsen
DIN 18015-2? Was ist das? Ein Buch von Leuten, die nie einen Keller gesehen haben? Ich hab 30 Jahre in meinem Keller gewohnt. Kein FI. Kein Potentialausgleich. Kein Problem. Bis heute. Also nein. Ich glaub nicht an diese Normen. Sie sind nur für Menschen, die Angst vor sich selbst haben.
Max Summerfield
Hedda, du bist nicht der Einzige, der das sagt. Aber du bist der Einzige, der nach 30 Jahren noch lebt. Glückwunsch. Aber dein Keller ist nicht dein Körper. Wenn dein Körper so behandelt wird, bist du tot. Elektrizität ist nicht geduldig. Sie vergibt nicht. Sie reagiert. Und dann ist es zu spät.