Wenn Ihr Heizkörper gluckert oder blubbert, ist das kein Zufall. Es ist ein klares Signal: Luft steckt im System und verhindert, dass die Wärme richtig ankommt. Viele Hausbesitzer ignorieren das Geräusch - und zahlen dafür mit höheren Heizkosten und kalten Räumen. Dabei ist die Lösung einfach: Entlüften und hydraulischen Abgleich machen. Beides zusammen spart bis zu 22 % Energie, wie die Stiftung Warentest 2026 bestätigt hat. Und das ohne neue Heizung - nur mit ein paar Handgriffen.
Warum gluckern Heizkörper überhaupt?
Luft kommt ins Heizungssystem, wenn Wasser nachgefüllt wird - etwa nach einer Wartung, einem Austausch des Thermostats oder einfach durch kleine Undichtigkeiten. Die Luft steigt nach oben, weil sie leichter ist als Wasser. Dort sammelt sie sich im oberen Teil des Heizkörpers, genau dort, wo das heiße Wasser hingelangen soll. Statt Wasser fließt Luft durch die Leitungen. Das verursacht das typische Gluckern, aber auch kältere Bereiche am Heizkörper - besonders oben. Die Umwälzpumpe muss härter arbeiten, weil sie Luft statt Wasser bewegen muss. Das kostet Strom und verschleißt die Anlage schneller.Laut dem Deutschen Heizungsverband (März 2025) sind 78 % der Heizungsausfälle in Altbauten auf unentlüftete Systeme zurückzuführen. Das ist kein Kleinigkeiten. Wer sein Heizsystem nicht regelmäßig entlüftet, verliert bis zu 15 % der Heizleistung - und damit Geld. Einige Hausbesitzer versuchen, das Problem mit häufigem Entlüften zu lösen. Doch das ist kein Dauerfix. Wer mehr als zweimal pro Jahr entlüften muss, hat vermutlich eine Undichtigkeit oder einen falsch eingestellten Abgleich. Dann hilft nur noch ein Profi.
So entlüften Sie Ihren Heizkörper richtig - Schritt für Schritt
Entlüften ist kein Hexenwerk. Aber es muss genau gemacht werden. Falsch durchgeführt, bringt es nichts - oder macht es sogar schlimmer. Hier ist die korrekte Methode, wie sie Heizungsbauer in Graz und Wien seit Jahren anwenden:- Heizung ausschalten. Schalten Sie die Heizung und die Umwälzpumpe komplett ab. Warten Sie mindestens 30 Minuten, bis das Wasser abgekühlt ist und sich die Luft nach oben bewegen konnte.
- Thermostate ganz aufdrehen. Alle Thermostate müssen vollständig geöffnet sein. Wer sie zudreht, verhindert den Wasserfluss - und die Luft bleibt stecken.
- Systemdruck prüfen. Gehen Sie zur Heizzentrale und schauen Sie auf das Manometer. Der Druck sollte zwischen 1,2 und 1,8 bar liegen (grüner Bereich). Ist er unter 0,8 bar, müssen Sie zuerst nachfüllen. Dazu öffnen Sie das Füllventil am Kessel, bis der Druck wieder im grünen Bereich ist. Danach schließen Sie es wieder sorgfältig.
- Auffangbehälter vorbereiten. Stellen Sie eine Tasse, Schüssel oder einen Eimer unter das Entlüftungsventil. Es kommt Wasser - und vielleicht etwas Schmutz.
- Entlüftungsventil öffnen. Das Ventil sitzt immer am oberen Ende des Heizkörpers, gegenüber vom Thermostat. Nutzen Sie einen speziellen Entlüftungsschlüssel (4-6 mm Vierkant). Drehen Sie ihn langsam gegen den Uhrzeigersinn - nur 1/4 bis 1/2 Umdrehung. Nicht zu weit öffnen!
- Warten, bis Wasser kommt. Zuerst hören Sie ein Zischen - das ist Luft. Dann kommt ein Tropfen, dann ein Strahl. Sobald ein gleichmäßiger Wasserstrahl austritt, drehen Sie das Ventil sofort wieder zu. Wer zu lange öffnet, verliert zu viel Wasser und senkt den Systemdruck unnötig.
- Druck nochmal prüfen. Nach dem Entlüften kann der Druck um 0,2-0,5 bar gefallen sein. Prüfen Sie ihn erneut. Ist er unter 1,0 bar, füllen Sie nochmal nach.
Pro Heizkörper dauert das 2-3 Minuten. Die meisten Menschen machen den Fehler, mit dem ersten Heizkörper zu beginnen - oft dem im Wohnzimmer. Das ist falsch. Luft sammelt sich oben im Haus. Deshalb: Beginnen Sie immer mit dem höchsten Heizkörper - meist im Obergeschoss. Danach arbeiten Sie sich nach unten durch. Nur so wird wirklich alles entlüftet. Laut einer Buderus-Studie (2024) machen 61 % der Laien genau diesen Fehler.
Was ist hydraulischer Abgleich - und warum ist er wichtiger als Entlüften?
Entlüften beseitigt Luft. Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass das Wasser richtig verteilt wird. Ohne Abgleich fließt das heiße Wasser nur zu den Heizkörpern, die am nächsten am Kessel liegen. Die weiter entfernten - oft im Dachgeschoss oder hinten im Haus - bleiben kalt. Das ist kein Zufall. Das ist Systemfehler.Der Abgleich funktioniert mit speziellen Ventilen, die vor den Heizkörpern montiert sind. Diese Ventile haben eine Voreinstellung (z. B. Danfoss RLV). Je weiter der Heizkörper vom Kessel entfernt ist, desto mehr Widerstand muss er haben - damit genug Wasser durchkommt. Ein Heizkörper im Erdgeschoss braucht weniger Durchfluss als einer im dritten Stock. Ohne Abgleich bekommen die nahen Heizkörper zu viel Wasser, die fernen zu wenig. Das führt zu ungleichmäßiger Wärme, höherem Energieverbrauch und unnötigem Lärm.
Die Stiftung Warentest (02/2026) hat gemessen: Unbeglichene Systeme verbrauchen durchschnittlich 22 % mehr Energie. In Mehrfamilienhäusern sind es bis zu 37 %. Das sind Hunderte Euro pro Jahr. Und das bei einer Heizperiode von 6-8 Monaten. Der Abgleich ist nicht teuer - ein Profi braucht 2-4 Stunden, je nach Anzahl der Heizkörper. Die Kosten liegen zwischen 150 und 400 €. Aber die Einsparung: bis zu 200 € pro Jahr. Die Investition rechnet sich innerhalb eines Jahres.
Prof. Dr. Sabine Schulze von der TU München hat in ihrer Studie (März 2025) gezeigt: Ein korrekter Abgleich senkt die Vorlauftemperatur um bis zu 12 °C. Das bedeutet: Der Kessel muss nicht so heiß arbeiten. Das reduziert den CO₂-Ausstoß um bis zu 150 kg pro Haushalt pro Jahr - so viel wie eine Autofahrt von Graz nach Wien.
Automatische Entlüftungsventile - eine sinnvolle Ergänzung?
Seit 2025 sind neue Heizungen verpflichtet, automatische Entlüftungsventile zu haben. Modelle wie der Danfoss Autovent AA (ca. 19,95 €) oder die Vaillant ecoTEC plus mit integrierter Entgasung sind beliebt. Sie entlüften selbst - ohne dass Sie den Schlüssel in die Hand nehmen müssen.Aber sie ersetzen nicht den hydraulischen Abgleich. Und sie sind nicht ewig haltbar. Laut Heizung.de (Dezember 2025) haben automatische Ventile eine Lebensdauer von durchschnittlich 5,2 Jahren. Mechanische Ventile halten 12,7 Jahre. Außerdem: Wenn ein automatisches Ventil defekt ist, merken Sie es oft erst, wenn der Heizkörper wieder gluckert. Dann ist es zu spät.
Ein guter Tipp von Nutzern auf Reddit: Nutzen Sie einen durchsichtigen Schlauch am Entlüftungsventil. So sehen Sie genau, wann die Luft aufhört und das Wasser kommt. Das verhindert, dass Sie zu früh schließen. Viele Leute machen das - und sind dann überrascht, dass es nach einer Woche wieder gluckert. Denn sie haben nur die Oberfläche der Luft entfernt, nicht die tiefer liegenden Blasen.
Was tun, wenn es nach dem Entlüften trotzdem gluckert?
Wenn Sie alles richtig gemacht haben - höchster Heizkörper zuerst, Druck geprüft, Wasserstrahl abgewartet - und es nach einer Woche wieder gluckert, dann liegt das Problem woanders. Mögliche Ursachen:- Undichtigkeit im System. Ein kleiner Tropfen am Ventil, am Rohr oder am Kessel lässt Luft nachziehen. Prüfen Sie alle Anschlüsse mit einem Tuch - wenn es trocken bleibt, ist es nicht die Ursache. Wenn es feucht ist, brauchen Sie einen Installateur.
- Falscher Abgleich. Die Heizkörper sind nicht richtig eingestellt. Der Kessel läuft heiß, aber die Heizkörper im Obergeschoss bleiben kalt. Dann brauchen Sie einen hydraulischen Abgleich - nicht nochmal entlüften.
- Kunststoffrohre. Systeme mit Kunststoffrohren saugen Luft leichter ein als Kupferrohre. Laut Umweltbundesamt (Dezember 2025) müssen sie 3,2-mal häufiger entlüftet werden. Wenn Sie ein altes System mit Kunststoff haben, ist das normal - aber kein Grund, es zu ignorieren.
- Defekte Umwälzpumpe. Eine alte oder schwache Pumpe kann Luft nicht richtig aus dem System drücken. Wenn die Pumpe laut knattert oder übermäßig warm wird, ist ein Austausch nötig.
Dr. Hans-Peter Weber vom Deutschen Energieberater-Netzwerk sagt klar: "Mehr als zweimal im Jahr entlüften ist ein Warnsignal. Nicht mehr Entlüften - sondern Reparatur ist gefragt."
Wie oft entlüften und abgleichen?
Entlüften: Einmal jährlich - idealerweise zu Beginn der Heizperiode, im September oder Oktober. Wenn der Winter kalt wird und Sie merken, dass ein Heizkörper nicht richtig warm wird, ist es Zeit. Ein zweites Mal im Jahr ist nur sinnvoll, wenn Sie die Heizung im Sommer komplett abgestellt haben.Hydraulischer Abgleich: Alle 5-7 Jahre. Oder wenn Sie neue Heizkörper einbauen, die Dämmung verbessern oder den Kessel wechseln. Die Energieeinsparverordnung (EnEV 2025) schreibt ihn bei Neuanlagen vor - aber nicht bei bestehenden. Trotzdem: Er ist die effektivste Investition, die Sie in Ihre Heizung machen können.
Einige moderne Thermostate wie Tado° oder Bosch EasyControl AI (ab 299 €, ab Q3/2026) analysieren jetzt selbst die Heizverteilung und zeigen an, ob ein Abgleich nötig ist. Das macht die Entscheidung einfacher. Aber sie ersetzen nicht den Fachmann. Nur ein Profi kann die Ventile richtig einstellen - mit Messgeräten, die der Durchflussmenge messen, nicht nur die Raumtemperatur.
Was kostet das?
- Entlüftungsschlüssel: 5-10 € (gibt’s im Baumarkt oder online) - Automatisches Entlüftungsventil: 15-25 € pro Heizkörper (nur bei Neuanlagen sinnvoll) - Professioneller hydraulischer Abgleich: 150-400 € (je nach Anzahl der Heizkörper) - Heizungsbauer-Provision: Viele Energieberater bieten kostenlose Abgleichs-Angebote - besonders wenn Sie Fördermittel beantragen.Die Einsparung: Wer 200 € pro Jahr spart, hat die Kosten für den Abgleich in 1-2 Jahren wieder hereingeholt. Und das ist nur der Anfang. Ein gut abgeglichenes System lebt länger, braucht weniger Wartung und belastet die Umwelt weniger.
Praktische Tipps aus der Praxis
- Notieren Sie sich, wann Sie entlüftet haben. Ein kleiner Zettel am Kessel reicht. So vermeiden Sie, dass Sie es vergessen oder zu oft machen. - Entlüften Sie nie, wenn die Heizung läuft. Das ist gefährlich - heißes Wasser spritzt heraus. - Wenn Sie in einem Miethaus wohnen: Informieren Sie Ihren Vermieter. Der ist verpflichtet, die Heizung instandzuhalten - auch den Abgleich. - Verwenden Sie immer den richtigen Schlüssel. Ein normaler Schraubendreher oder Zange beschädigt das Ventil - und dann ist es teurer zu reparieren als zu entlüften. - Heizkörper im Bad? Entlüften Sie sie nach dem Duschen. Dampf kondensiert und kann Luft in das System ziehen.Warum gluckert mein Heizkörper nur im Obergeschoss?
Luft steigt nach oben - deshalb sammelt sie sich zuerst in den höchsten Heizkörpern. Wenn nur dort Gluckern auftritt, ist das ein klassisches Zeichen für Luft im System. Beginnen Sie mit dem Entlüften dort. Wenn es danach in anderen Räumen auftritt, ist der hydraulische Abgleich falsch eingestellt.
Kann ich selbst den hydraulischen Abgleich machen?
Theoretisch ja - aber nur mit Messgeräten, die den Durchfluss pro Heizkörper messen. Ohne diese Geräte stellen Sie nur herum - und machen es oft schlimmer. Ein Heizungsbauer braucht 2-4 Stunden und weiß, wie viel Wasser jeder Heizkörper braucht. Das ist keine DIY-Aufgabe. Sparen Sie nicht am falschen Ende.
Was passiert, wenn ich zu viel Wasser nachfülle?
Zu hoher Druck (über 2,5 bar) kann Leitungen, Ventile oder den Kessel beschädigen. Die Sicherheitsventile öffnen automatisch - und dann läuft Wasser aus. Halten Sie sich an 1,2-1,8 bar. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie es vom Profi prüfen.
Ist ein Heizkörper, der ganz kalt bleibt, defekt?
Nicht unbedingt. Ein komplett kalter Heizkörper ist oft ein Zeichen für einen falschen hydraulischen Abgleich - nicht für einen Defekt. Die Luft ist raus, aber kein Wasser kommt an. Dann braucht es eine Einstellung der Vorwiderstände. Ein Profi misst den Durchfluss und stellt richtig ein.
Brauche ich nach dem Entlüften immer nachzufüllen?
Fast immer. Beim Entlüften entweicht auch etwas Wasser. Der Druck sinkt um 0,2-0,5 bar. Prüfen Sie ihn direkt danach und füllen Sie auf, wenn er unter 1,2 bar liegt. Vergessen Sie das nicht - sonst läuft Ihre Heizung mit zu niedrigem Druck, was die Pumpe überlastet.
Schreibe einen Kommentar